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Bremsen in der Werkstatt: Anzeichen für Verschleiß und was geprüft wird

Die klassischen Warnzeichen an der Bremsanlage sind ein metallisches Schleifen, ein weich werdender Pedalweg, ein Ziehen zu einer Seite beim Bremsen und ein Rubbeln, das sich im Lenkrad oder im Pedal bemerkbar macht. Jedes davon gehört zeitnah in die Werkstatt, denn die Bremse ist das Bauteil, bei dem sich Aufschieben am wenigsten lohnt. Geprüft werden dort Beläge, Scheiben, Leitungen, Flüssigkeit und die tatsächliche Bremswirkung auf dem Prüfstand.

Was die einzelnen Symptome andeuten

Die Geräusche und Gefühle lassen sich grob zuordnen:

  • Helles Quietschen: Oft harmlos, etwa Flugrost am Morgen oder Belagstaub. Bleibt es dauerhaft, kann die Verschleißgrenze erreicht sein, denn viele Beläge haben einen Metallhaken, der bewusst quietscht.
  • Metallisches Schleifen: Der Belag ist durch, Metall läuft auf Metall. Hier ist die Scheibe in Gefahr, und der Auftrag wird größer, je länger Sie warten.
  • Rubbeln beim Bremsen: Deutet auf ungleichmäßig abgetragene oder verzogene Scheiben hin, spürbar meist bei höherem Tempo.
  • Ziehen zu einer Seite: Häufig ein festsitzender Bremssattel, dessen Kolben oder Führungsbolzen nicht mehr freigängig sind.
  • Weiches oder absackendes Pedal: Ein ernstes Zeichen, das auf Luft im System oder eine Undichtigkeit hindeuten kann. Damit sollten Sie nicht weiterfahren.

Was die Werkstatt prüft

Die Beläge werden auf Reststärke gemessen, die Scheiben auf Dicke und Zustand der Oberfläche. Jede Scheibe hat ein Mindestmaß, das der Hersteller vorgibt und das eingehalten werden muss. Kontrolliert werden außerdem die Freigängigkeit der Sattelführungen, der Zustand der Staubmanschetten am Kolben, die Bremsschläuche auf Risse und Scheuerstellen sowie die Leitungen auf Korrosion. Auf dem Rollenprüfstand wird gemessen, wie viel Bremskraft jedes Rad aufbaut und wie gleichmäßig die Werte einer Achse zueinander sind. Diese Gleichmäßigkeit ist wichtiger als der Absolutwert, denn ein Ungleichgewicht ist das, was das Fahrzeug beim Bremsen aus der Spur zieht.

Warum Bremsflüssigkeit ein eigenes Thema ist

Bremsflüssigkeit ist hygroskopisch, sie zieht Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft. Mit steigendem Wasseranteil sinkt die Siedetemperatur. Bei starker Beanspruchung kann die Flüssigkeit dann örtlich verdampfen, und Dampf lässt sich zusammendrücken, Flüssigkeit nicht. Genau das ist das lange, weiche Pedal, das im ungünstigsten Moment auftritt. Deshalb wird Bremsflüssigkeit unabhängig vom Belagverschleiß nach Herstellervorgabe gewechselt, allein aufgrund der Zeit. Der Wassergehalt lässt sich mit einem Prüfgerät in wenigen Augenblicken messen, und diese Messung gehört in jeden Inspektionsbericht.

Beläge, Scheiben und die Frage nach dem Umfang

Beläge werden immer achsweise getauscht, nie einzeln, weil sonst die Bremskraft links und rechts unterschiedlich ausfällt. Scheiben ebenso. Ob die Scheiben mitmüssen, hängt vom Restmaß und vom Zustand ab. Wenn sie nah an der Grenze sind, ist der gemeinsame Tausch meist sinnvoll, weil die Arbeit ohnehin an derselben Stelle stattfindet und ein zweites Zerlegen später Arbeitszeit kostet. Lassen Sie sich das Messergebnis nennen, dann können Sie die Empfehlung nachvollziehen.

Nach dem Wechsel brauchen neue Beläge eine Einfahrphase, in der sich die Oberflächen aufeinander einarbeiten. Vermeiden Sie in dieser Zeit harte Bremsungen aus hohem Tempo, sonst kann sich Belagmaterial ungleichmäßig auf der Scheibe ablagern, und das Ergebnis ist genau das Rubbeln, das Sie loswerden wollten.

Ein Sonderfall sind Fahrzeuge, die überwiegend stehen oder nur kurze Strecken fahren. Dort rostet die Bremsscheibe an, und der Rost wird nicht abgetragen, weil kaum gebremst wird. Aus der angerosteten Oberfläche wird eine narbige, und die trägt den Belag ungleichmäßig ab. Das Ergebnis ist ein Rubbeln, das nicht vom Verschleiß kommt, sondern vom Stillstand.

Die Handbremse nicht vergessen

Die Feststellbremse arbeitet oft über eigene Beläge oder eine separate Mechanik und wird bei der Hauptuntersuchung eigenständig geprüft. Weil sie im Alltag wenig genutzt wird, setzt sie gern fest, besonders bei Fahrzeugen, die überwiegend im Freien stehen. Betätigen Sie sie regelmäßig, das hält die Mechanik gängig.

Fazit

Nehmen Sie Geräusche, Rubbeln, Ziehen und vor allem einen weichen Pedalweg ernst und fahren Sie zeitnah in die Werkstatt. Lassen Sie sich Reststärken und Prüfstandswerte nennen, dann verstehen Sie die Empfehlung. Bremsflüssigkeit wird nach Zeit gewechselt, nicht nach Verschleiß, und die Einfahrphase neuer Beläge entscheidet über das spätere Bremsgefühl.

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