Klimaanlage in der Werkstatt: Warum die Kühlleistung nachlässt
Wenn die Klimaanlage nicht mehr richtig kühlt, liegt das meist an fehlendem Kältemittel. Das System ist technisch bedingt nicht vollständig dicht, denn es enthält bewegliche Teile und elastische Leitungen, durch die über die Jahre geringe Mengen entweichen. Muffiger Geruch dagegen hat mit der Kühlleistung nichts zu tun, und Geräusche beim Einschalten deuten wieder in eine andere Richtung. Es lohnt sich, die Symptome auseinanderzuhalten.
Wie die Anlage arbeitet
Der Kompressor verdichtet das Kältemittel, im Kondensator vor dem Kühler gibt es Wärme an die Umgebung ab und wird flüssig. Über ein Expansionsventil entspannt es sich, verdampft im Verdampfer hinter dem Armaturenbrett und entzieht dabei der vorbeiströmenden Luft Wärme. Diese gekühlte Luft kommt bei Ihnen an. Ein Trockner im Kreislauf bindet Restfeuchtigkeit, denn Wasser im System führt zu Korrosion und zur Bildung aggressiver Verbindungen.
Wichtig für das Verständnis: Im Kältemittel ist Öl gelöst, das den Kompressor schmiert. Ist zu wenig Kältemittel im Kreislauf, zirkuliert auch zu wenig Öl, und der Kompressor läuft trocken. Deshalb ist eine schleichend leere Anlage nicht nur unbequem, sondern auf Dauer teuer.
Der Service und was dabei passiert
Beim Klimaservice wird das Kältemittel mit einem geschlossenen Gerät abgesaugt, gereinigt und die Menge gewogen. Anschließend wird das System evakuiert, also unter Unterdruck gesetzt, und dabei auf Dichtheit geprüft. Hält das Vakuum nicht, ist eine Leckage vorhanden, und Auffüllen wäre sinnlos. Hält es, wird die vom Hersteller vorgegebene Menge Kältemittel zusammen mit Öl eingefüllt. Die abgesaugte Menge wird protokolliert, und dieser Wert ist die interessanteste Zahl des Termins: Er zeigt, wie viel über die Zeit verloren ging.
Kältemittel darf nicht in die Umwelt gelangen, deshalb sind Ausstattung und Sachkunde vorgeschrieben. Betriebe, die einfach nachfüllen, ohne zu wiegen und zu prüfen, arbeiten nicht sauber.
Lecksuche
Findet sich ein Verlust, wird gesucht. Übliche Verfahren sind das Einbringen eines Kontrastmittels, das unter UV-Licht sichtbar wird, die Prüfung mit einem Gasschnüffler oder das Abdrücken mit Stickstoff. Typische Fundstellen sind der Kondensator, der ganz vorn sitzt und von Streusalz und Steinschlag getroffen wird, die Verbindungen mit ihren Dichtringen, die Wellendichtung des Kompressors und Scheuerstellen an Leitungen. Ein Leck zu finden kann dauern, und diese Zeit ist Fehlersuche, nicht Service.
Nicht jedes Kältemittel ist gleich
In Fahrzeugen sind unterschiedliche Kältemittel im Einsatz, abhängig vom Baujahr und von den geltenden Vorgaben. Sie lassen sich nicht mischen und brauchen jeweils eigene Servicegeräte, weil eine Verunreinigung sonst das nächste Fahrzeug schädigt. Welches Mittel in Ihrem Fahrzeug arbeitet, steht auf einem Aufkleber im Motorraum. Auch die Öle unterscheiden sich und sind auf das jeweilige Kältemittel abgestimmt.
Für Sie bedeutet das zweierlei: Der Betrieb muss die passende Ausstattung für Ihr System haben, und ein Umbau auf ein anderes Kältemittel ist keine Kleinigkeit, sondern ein Eingriff, der zum Fahrzeug passen muss. Fragen Sie im Zweifel nach, bevor der Termin steht.
Geruch, Beschlag und der Innenraumfilter
Muffiger Geruch beim Einschalten kommt fast immer vom Verdampfer. Dort kondensiert Wasser, und auf der feuchten, dunklen Oberfläche siedeln sich Mikroorganismen an. Abhilfe schafft eine Reinigung des Verdampfers und ein neuer Innenraumfilter. Vorbeugen können Sie selbst: Schalten Sie die Kühlung kurz vor dem Ziel ab und lassen Sie das Gebläse weiterlaufen, dann trocknet der Verdampfer ab. Ein zugesetzter Innenraumfilter ist ohnehin ein häufiger Grund für schwache Luftleistung und beschlagene Scheiben, und er gehört zu den Teilen, die regelmäßig nach Vorgabe gewechselt werden.
Die Anlage im Winter nutzen
Viele schalten die Kühlung in der kalten Jahreszeit ab. Das ist ungünstig, denn der Kompressor braucht Betrieb, damit Öl an die Dichtungen kommt. Steht er über Monate, trocknen die Dichtungen aus, und im Frühjahr ist die Anlage leer. Lassen Sie die Klimaanlage deshalb auch im Winter regelmäßig kurz laufen. Ein zweiter Vorteil: Die Anlage entfeuchtet die Luft, und beschlagene Scheiben klären sich damit schneller als mit Wärme allein.
Fazit
Nachlassende Kühlung bedeutet meist Kältemittelverlust, und der schadet dem Kompressor über das Öl. Ein ordentlicher Service saugt ab, wiegt, evakuiert, prüft die Dichtheit und füllt nach Vorgabe. Geruch ist ein Verdampfer- und Filterthema, kein Kältemittelthema. Und die Anlage will auch im Winter regelmäßig laufen.