Werkstattrechnung lesen: Die Positionen richtig einordnen
Eine korrekte Werkstattrechnung lässt sich Zeile für Zeile auf den erteilten Auftrag zurückführen: Für jede Position sollte erkennbar sein, ob sie beauftragt war, ob sie sich aus einer freigegebenen Zusatzarbeit ergibt oder ob sie zum vereinbarten Umfang gehört. Prüfen Sie das am besten am Tresen vor der Abholung, denn Rückfragen klären sich leichter, solange das Auto noch in der Halle steht.
Wie eine Rechnung aufgebaut ist
Üblich sind vier Blöcke. Die Arbeitswerte bilden die Zeit ab, die für jeden Schritt nach Vorgabe angesetzt wird, multipliziert mit dem Stundenverrechnungssatz des Betriebs. Die Teile erscheinen mit Bezeichnung, Nummer und Anzahl. Unter Nebenkosten laufen Kleinteile, Schmierstoffe und Entsorgung. Zuletzt folgt die Umsatzsteuer, getrennt ausgewiesen. Dazu kommen Fahrzeugdaten und in vielen Betrieben der Kilometerstand bei Annahme, weil er für Wartungsnachweise gebraucht wird.
Wenn eine dieser Ebenen fehlt und stattdessen nur eine Sammelposition erscheint, fragen Sie nach einer Aufschlüsselung. Darauf haben Sie einen berechtigten Anspruch, und ein sauber arbeitender Betrieb liefert sie ohne Diskussion.
Ein Punkt sorgt regelmäßig für Missverständnisse: Der Stundenverrechnungssatz ist nicht der Lohn der Person an der Hebebühne. Er deckt Halle, Hebebühnen, Diagnosetechnik, Spezialwerkzeug, Software-Lizenzen, Weiterbildung, Versicherung und Entsorgung mit ab. Deshalb unterscheiden sich die Sätze zwischen Betrieben deutlich, und deshalb ist ein höherer Satz nicht automatisch teurer, wenn dort schneller und zielsicherer gearbeitet wird. Viele Betriebe staffeln ihn zudem nach Art der Arbeit, weil eine Diagnose am Steuergerät andere Ausstattung erfordert als ein Radwechsel.
Kleinteile und Entsorgung
Positionen wie Kleinteilepauschale, Schmier- und Reinigungsmittel oder Entsorgungspauschale irritieren viele Kundinnen und Kunden, sind aber üblich. Dahinter stehen Dinge, die man schlecht einzeln abrechnet: Clips, Dichtringe, Splinte, Rostlöser, Bremsenreiniger, Handschuhe, dazu die fachgerechte Entsorgung von Altöl, Bremsflüssigkeit und Altteilen. Üblich heißt allerdings nicht beliebig. Solche Pauschalen orientieren sich in der Regel am Umfang des Auftrags. Wirken sie im Verhältnis zur Arbeit unpassend, ist die Nachfrage berechtigt.
Wo Rechnung und Kostenvoranschlag auseinanderlaufen
Die häufigste Ursache für Streit ist eine Rechnung, die deutlich über der Schätzung liegt. Meist steckt eine der folgenden Situationen dahinter:
- Zusatzbefund beim Zerlegen: Erst mit ausgebautem Teil zeigt sich, dass ein Nachbarbauteil ebenfalls hinüber ist.
- Festsitzende Verbindungen: Korrodierte Schrauben, die abreißen und aufwendig entfernt werden müssen.
- Folgearbeiten: Nach dem Einbau muss ein Bauteil angelernt oder eine Achse vermessen werden.
- Diagnose statt Reparatur: Die Fehlersuche dauerte länger als erwartet, ohne dass am Ende ein Teil getauscht wurde.
All das ist legitim, muss aber vorher mit Ihnen abgestimmt worden sein. Deshalb lohnt sich der Satz auf dem Auftragsformular, dass Zusatzarbeiten nur nach Rücksprache erfolgen. Steht er dort, ist die Lage im Zweifel eindeutig.
Wenn Sie mit einer Position nicht einverstanden sind
Bleiben Sie sachlich und arbeiten Sie mit der Rechnung, nicht gegen die Person am Tresen. Lassen Sie sich die strittige Position erklären, fragen Sie nach dem Altteil und bitten Sie darum, den Punkt schriftlich festzuhalten. Führt das Gespräch nicht weiter, können Sie unter Vorbehalt zahlen und den Vorbehalt auf der Rechnung vermerken lassen. So kommen Sie an Ihr Auto, ohne Ihre Position aufzugeben.
Zahlen Sie gar nicht, kann die Werkstatt das Fahrzeug in der Regel zurückbehalten, bis die berechtigte Forderung beglichen ist. Das führt selten zu einem guten Ergebnis. Kommen Sie nicht weiter, helfen Schiedsstellen des Kfz-Handwerks, eine Verbraucherzentrale oder ein unabhängiger Sachverständiger weiter.
Warum Sie Rechnungen aufheben sollten
Rechnungen sind Ihr Nachweis über die Gewährleistungsfrist hinweg, sie belegen die Pflege des Fahrzeugs beim Verkauf und sie helfen der nächsten Werkstatt bei der Diagnose. Ein einfacher Ordner oder ein Scan-Ordner auf dem Rechner genügt. Notieren Sie sich am besten zusätzlich, welches Symptom zum Auftrag geführt hat. Wenn dasselbe Geräusch später wiederkommt, ist diese Notiz Gold wert.
Fazit
Prüfen Sie die Rechnung vor der Abholung auf drei Dinge: Sind Arbeitswerte, Teile und Nebenkosten getrennt ausgewiesen, lässt sich jede Position dem Auftrag zuordnen, und wurden Zusatzarbeiten vorher freigegeben. Bei Unstimmigkeiten hilft sachliche Nachfrage, notfalls Zahlung unter Vorbehalt. Heben Sie die Unterlagen auf, sie sind später Nachweis und Diagnosehilfe zugleich.