Zahnriemen oder Steuerkette: Wartung, Unterschiede und Warnzeichen
Zahnriemen und Steuerkette erledigen dieselbe Aufgabe: Sie verbinden Kurbelwelle und Nockenwelle und halten damit die Steuerzeiten des Motors. Der Unterschied liegt in der Wartung. Der Riemen wird nach Herstellervorgabe vorsorglich gewechselt, bevor etwas passiert. Die Kette ist grundsätzlich auf die Lebensdauer des Motors ausgelegt, kann sich aber längen und meldet sich dann durch ein Rasseln, das man nicht überhören sollte.
Warum ein Riss so teuer ist
Die meisten modernen Motoren sind so konstruiert, dass sich Kolben und Ventile denselben Raum teilen, allerdings zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Diese zeitliche Trennung hält die Steuerung aufrecht. Reißt der Riemen oder springt die Kette über, entfällt sie: Die Ventile stehen offen, wenn der Kolben nach oben kommt. Das Ergebnis sind verbogene Ventile, beschädigte Kolben und im ungünstigen Fall ein Schaden am Zylinderkopf. Deshalb ist der vorsorgliche Wechsel keine Verkaufsmasche, sondern die günstigste Variante des Themas.
Was beim Zahnriemenwechsel dazugehört
Der Riemen allein ist nur ein Teil des Auftrags. Fachgerecht gehört dazu:
- Spannrolle und Umlenkrollen: Ihre Lager sind ebenso alt wie der Riemen. Ein festgehendes Lager zerstört den neuen Riemen.
- Wasserpumpe: Wenn sie vom Zahnriemen angetrieben wird, wird sie mitgetauscht, weil sie sonst später denselben Zerlegeaufwand verursacht.
- Dichtungen und Simmerringe: Bei Undichtigkeit an Kurbelwelle oder Nockenwelle jetzt oder nie, denn Öl greift den Riemen an.
- Keilrippenriemen: Liegt meist davor und wird ohnehin demontiert.
Wird nur der Riemen getauscht und der Rest gespart, ist das kurzfristig günstiger und langfristig ein Risiko. Fragen Sie deshalb nach dem Umfang und nicht nur nach der Summe.
Zeit zählt, nicht nur Laufleistung
Der Riemen altert auch im Stand. Gummi wird hart, Weichmacher entweichen, und Standzeiten in großer Hitze oder Kälte beschleunigen das. Deshalb nennen Hersteller neben der Laufleistung immer auch ein zeitliches Kriterium, und es gilt, was zuerst eintritt. Gerade bei Fahrzeugen mit wenig Bewegung wird das übersehen. Wer einen Gebrauchtwagen kauft, sollte deshalb prüfen, ob der Wechsel dokumentiert ist. Ohne Nachweis muss man davon ausgehen, dass er nicht erfolgt ist.
Die Steuerkette und ihre Warnzeichen
Ketten laufen in Öl und werden von einem Spanner auf Spannung gehalten, der über den Öldruck arbeitet. Genau hier liegt ihre Schwachstelle: Vernachlässigte Ölwechsel, falsches Öl oder ein zu niedriger Ölstand setzen der Kette und ihren Gleitschienen zu. Über die Zeit längt sie sich, der Spanner fährt weiter aus, und irgendwann reicht sein Weg nicht mehr.
Typische Anzeichen sind ein Rasseln oder Kettenklappern beim Kaltstart, das nach ein paar Augenblicken verschwindet, wenn der Öldruck steht. Später bleibt es auch im warmen Zustand. Hinzu kommen Fehlereinträge zur Position von Nockenwelle und Kurbelwelle, unrunder Lauf und Leistungsverlust. Dieses Rasseln ist kein Schönheitsfehler, sondern eine Vorwarnung, und der Zeitraum bis zum Überspringen lässt sich nicht vorhersagen.
Der andere Riemen
Nicht zu verwechseln ist der Zahnriemen mit dem Keilrippenriemen, der außen am Motor läuft und die Nebenaggregate antreibt: Lichtmaschine, Klimakompressor, Servopumpe und bei manchen Motoren auch die Wasserpumpe. Er ist ein Verschleißteil mit eigener Vorgabe, und sein Ausfall ist deutlich weniger dramatisch, weil er die Steuerzeiten nicht berührt. Folgenlos ist er trotzdem nicht: Ohne Lichtmaschine fällt die Bordspannung, ohne Servopumpe wird die Lenkung schwer, und treibt er die Wasserpumpe an, überhitzt der Motor.
Anzeichen sind Quietschen beim Kaltstart oder beim Einschalten großer Verbraucher, Risse in den Rippen und ein glasig glänzender Rücken. Häufig ist nicht der Riemen selbst das Problem, sondern der Spanner, dessen Feder nachlässt. Beides wird sinnvollerweise gemeinsam erneuert.
Aufwand und Entscheidung
Ein Kettenwechsel ist bei vielen Motoren aufwendiger als ein Riemenwechsel, weil die Kette am motornahen Ende sitzt und dort viel demontiert werden muss. Bei einem älteren Fahrzeug stellt sich deshalb die Frage nach der Verhältnismäßigkeit. Diese Entscheidung lässt sich nur mit Blick auf den Gesamtzustand treffen. Lassen Sie sich den Befund erklären, fragen Sie nach dem Umfang und danach, was sonst noch ansteht. Bündeln lohnt hier besonders, weil das Zerlegen bereits erledigt ist.
Fazit
Der Zahnriemen wird vorsorglich nach Herstellervorgabe gewechselt, gemeinsam mit Rollen und, falls angetrieben, mit der Wasserpumpe. Dabei zählt neben der Laufleistung auch das Alter. Die Steuerkette lebt von sauberem, freigegebenem Öl, und ihr Rasseln beim Kaltstart ist ein Warnsignal, das in die Werkstatt gehört.